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Geschichte des Kirchenchores             St. Pelagius

 

Im Jahre 2009 konnte der Kirchenchor St. Pelagius sein 190-jähriges Jubiläum feiern. Bereits 1980 wurde dem Chor die Palestrina-Medaille verliehen. Diese Auszeichnung erhalten Kirchenchöre, die seit mehr als hundert Jahren bestehen und aktiv sind. Der Chor von St. Pelagius besteht schon viel länger, wie Klaus Bauer, der derzeitige Chorleiter, schon 1980 in einer Veröffentlichung der „Rottweiler Heimatblätter" darstellte. Er führte dort u.a. aus:


„Bis 1743 wird in den Rechnungsbüchern jedes Jahr „den Coralisten in Festo St. Pelagiy für das Ambt zu singen 2 B" bezahlt. Anderen Ein-

trägen kann man entnehmen, dass auch an den Festen Ascensionis Domini (Christi Himmelfahrt) und Corporis Christi (Fronleichnam) eine Chorschola sang. 1743 steht im Rechnungsbuch: "Item ist nach gehaltener Prozession in Festo Corporis Christi bey Jerg Adam mattauer mit denen Altenstetter lauth vorgehenten rechnungen mit einem Trunkh aufgangen pro 1743 undt I.z. bezalt wordten 6 Gulden. Item damalen denen Singern zalt 11 Batzen 6 Heller". Von nun an finden sich diese Einträge für Choralisten und Sänger jedes Jahr wieder. 1778 bis 1782 wurde den „Singerleut nichts bezalt", 1783 gab es 6 Batzen. Da in der Altstadt Rottweil seit etwa 1750 eine Schule bestand, kann man annehmen, dass sich die Lehrer ehrenamtlich um die „Singerleut" gekümmert haben.

 

1803 wurden der Gemeinde Altstadt wegen deren Kirchsängern und Laternenträgern am Coporis Christfest sechs Batzen bezahlt. Lehrer war zu dieser Zeit Martin Hofer. Josef Bühler wurde 1814 Lehrer in der Altstadt. Von ihm liegt ein Quittungsbeleg mit folgendem Wortlaut vor:

 

„Von Wohllöblicher Heiligenpfleg für den erteilten Singunterricht den Kirchsängern, die allergnädigst angewiesenen zwölf Kreuzer richtig empfangen zu haben. Rottweil-Altstadt, den 23. April 1819 - Schulleiter Bühler." (Diese Quittung wurde als Gründungsbeleg des Chores festgelegt.) 

 

Der Chor bestand damals aus zwölf Sängerinnen und Sängern.


Im Jahre 1845 beklagte sich Lehrer Joseph Müller, seit 1843 Organist, dass ihm zwölf Gulden abgenommen wurden. 1865 bittet Lehrer Anton Schneider, seit 1864 ehrenamtlicher Organist, um eine Belohn-

ung. 1874 werden seine Bemühungen um einen guten Kirchengesang und Chor besonders erwähnt. Der Kirchenchor muss nicht immer schön gesungen haben, glaubt Klaus Bauer, denn 1882 wird die Besoldung „je nach Qualität des Singens, falls keine schlechten Leistungen" festgelegt. Oberlehrer Erhart wurde 1883 Chorleiter und ein Jahr später wird er von Schulleiter Nastold abgelöst. Unter seiner Leitung wurden an Festtagen leichter lateinischer Choral und polyphone Messen gesungen. Nach ihm leitete Lehrer Mattes von 1889 bis 1902 den Chor. Danach übernahm Lehrer Ignaz Sorg am 1. April 1902 die Verantwortung.


Im Jahre 1905 zog Lehrer Josef Butz in die Altstadt. Ab 1. Mai 1905 wurden Chorleiter- und Organistendienst getrennt. Lehrer Sorg blieb Organist und Josef Butz wurde Chorleiter. Diese beiden Männer arbeiteten bis zum 30. September 1920 zusammen. Das Reportoire des Chores bestand überwiegend aus Werken im Stil des Cäcilia-

nismus. Lehrer Butz komponierte viele geistliche und weltliche Lieder, die vom Chor gesungen wurden. Er schrieb auch mehrere Chorsätze alter Meister ab und hektographierte sie, auf seine Kosten.

 

Ab 1. Dezember 1920 wurde Oberlehrer Stumpp Organist und Hauptlehrer Kaspar Baumgärtner spielte 30 Werktagsgottesdienste unentgeltlich, „wenn ihm ein Schlüssel zur Orgel ausgefolgt wurde." Mit Wirkung vom 1. Juli 1921 legte Oberlehrer Josef Butz aus Gesund-

heitsgründen die Chordirektion nieder. Kaspar Baumgärtner erklärte sich bereit, vorläufig beide Dienste zu übernehmen. Trotz der Ver-

setzung in den Ruhestand am 1. April 1924 blieb Oberlehrer Butz noch im kirchenmusikalischen Dienst, bis am 1. September 1925 Oberlehrer Karl Müller, von Wolfegg kommend, in Schule und Kirche sein Nachfolger wurde. Auch in der schwierigen Zeit des Dritten Reiches hielt er an seinem Amt fest.


Ab 1. Oktober 1948 übernahm Oberlehrer Richard Weber den Chor. Die Orgel wurde von ihm oder seinem Sohn Wilfried gespielt. Ein Höhepunkt seiner Amtszeit war die Primiz seines ältesten Sohnes Hermann, bei der die Muttergottesmesse von Ernst Tittel aufgeführt wurde. Der Chornachwuchs lag ihm sehr am Herzen. Aus Schülern der Oberklassen der Römerschule bildete er einen Kinderchor, mit dem er viele Trauer- und Weihnachtsgottesdienste gestaltete. Sein Wirken ist noch heute im Chor zu spüren, glaubt Chorleiter Klaus Bauer. Im Mai 1959 beendete er seine Tätigkeit, nachdem er nach Tuttlingen versetzt wurde.


Zum 1. Oktober 1959 kam Hauptlehrer Helmut Stehle aus Gosheim an die Römerschule und übernahm gleichzeitig die Ämter des Chorleiters und Organisten. Sein erster großer Einsatz war die Orgelweihe am 22. November des gleichen Jahres. Bis 1977 wirkte Oberlehrer Stehle in der Altstädter Kirche und musste dann diese Tätigkeit krankheits-

halber aufgeben. Unter seiner Leitung gestaltete der Chor zusammen mit dem „Liederkranz" Oberndorf, den er ebenfalls dirigierte, zwei Konzerte in der Katholischen Pfarrkirche in Oberndorf und eines in Saarburg in Lothringen."


Klaus Bauer übernahm die Arbeit von Helmut Stehle. Er ist nunmehr seit über 30 Jahren Leiter des Kirchenchores und Organist.