Wir über uns/ Der Kirchenchor im Jahreslauf

 

Der Kirchenchor St. Pelagius Rottweil-Altstadt besteht zur Zeit aus 38 Mitgliedern (26 Frauen und 12 Männer). Er wirkt bei der Gestaltung der Gottesdienste bei besonderen Anlässen und Hochfesten mit (ca. 16 Termine). Neben den vielen kirchenmusikalischen, aber auch weltlichen Auftritten bildet das jährliche Patrozinium mit der Aufführung einer Orchestermesse für Chorleiter und Chor eine besondere Herausforderung.

Das Repertoire des Chores besteht aus Werken von der Renaissance bis zum Neuen geistlichen Lied. Auch das weltliche Liedgut wird regelmäßig zum Abschluss der Chorproben mit dem Geburtstags-Wunschlied der Sängerinnen und Sänger gepflegt. Außerdem gehören ein jährlicher Ausflug, die Cäcilienfeier, das „Brötlefest" nach Weihnachten und die Kirchenchorfasnet zum Jahresprogramm.

 

Interessanterweise hatte der Chor noch nie ausgeprägte Vereins-

strukturen. Immer wieder sind es die Chorleiter und vor allem auch motivierte Mitglieder des Chores, die sich ständig neu engagieren und sich für die Musica Sacra einsetzen.

 

Kommen Sie doch einfach einmal in die Singstunde. Sie sind jederzeit herzlich willkommen. Die Proben sind jede Woche am Mittwoch, 20.00 Uhr, im Katholischen Gemeindehaus in der Altstadt.

 

Kontakt:

Axel Zimmermann                                Pfarramt St. Pelagius

                                                            Rottweil-Altstadt

78628 Rottweil                                     78628 Rottweil

Tel.: 0172 733 6190                             Tel.: 0741 21263

 

 

Der Kirchenchor im Jahreslauf

 

Das neue Jahr beginnt für den Kirchenchor mit dem Brötlefest als gemütlicher Hock nach den anstrengenden Weihnachtstagen. Das Brötlefest ist eine ureigene Veranstaltung des Pelagius-Chores. Man sitzt nach der Singstunde zur Vorbereitung für das Erscheinungsfest (Dreikönig) in lockerer Runde beisammen und genießt die Feuer-zangenbowle oder den Glühwein zusammen mit den mitgebrachten restlichen Weihnachtsbrötle. Diese haben aber auch schon nach Schwarzwurst oder Büchsenbratwurst geschmeckt. Viel Heiterkeit bringt auch das Gruschtwichteln mit sich.

Beim Hochamt zum Erscheinungsfest am 6. Januar singt der Chor Lieder aus seinem Weihnachtsprogramm, wobei das „Puer natus in Bethlehem" von Joseph Rheinberger und der jubelnde Überchor zum „O du fröhliche" von Graham Buckland nicht fehlen dürfen. Dabei kann man schon leicht versteckt die roten Halstüchle zum Baurakittl blitzen sehen; denn im Anschluß an das Hochamt begleiten die Musiker des „Musikvereins Frohsinn Rottweil-Altstadt 1889 e.V." die Ausscheller der Kabisnarrenzunft zu ihrer Aussendung in den Pflugsaal.

Eine Woche vor dem „Schmotzigen" trifft sich der Chor mit Anhang zur Chorfasnet in der Altstadtschänke. Es spielt die choreigene Blas-musik mit ca. 15 Musiker/innen die Narrenmärsche des Viererbundes. Zum Mitsingen werden die eigene Textfassung des Elzacher Latschari-liedes „Beim Chorus Juhulagius", „Jucket ihr Narra" von Robert Kopf, „Mein schönes Rottweil" von Lothar Schick und anderes. Jeder im Chor ist eingeladen, einen lustigen Beitrag zu leisten. Die Themen der vergangenen Jahre waren unter anderen: Eine Nacht in Venedig, Der wilde Westen, S'Herrenkramersche Kripple, Morgens Fango - abends Tango, D' Göllsdorfer Saukirbe (Zwischen-ruf von Pfarrer Böbel: Wo bleibt mei Kutsch?), Wien, Hafenbar, Après Ski, Casino Royal, Altstadt bleibt Altstadt wie sie singt und lacht, Olympia, Mittelalter, Karneval der Tiere, Handwerker und Marktleut und vieles mehr. Schön ist auch, dass sich die Wirtsleute und das Bedienungspersonal mit ihrer Garderobe dem Motto des Abends anpassen.

Kein Kirchenchortermin, aber unbedingt erwähnenswert, ist der Gottesdienst am Fasnetssonntag. Seit dem 100-jährigen Jubiläum der Kabisnarrenzunft 2014 besucht deren Ausschuss mit den Ausschellern die Sonntagsmesse. Unter heiterem Orgelspiel ziehen sie mit den Ministranten und dem Pfarrer in die mit zum Teil fasnachtlich gekleideten Besuchern gefüllte Kirche ein. Die Lesungen und Für-bitten werden von den Ausschellern vorgetragen. Nicht vergessen darf man die gereimte Predigt von Pfarrer Böbel mit zum Schmunzeln anregenden Formulierungen (unvergessen: der Schantle und der Gölli), die zwar stupfen, aber immer in gekonnter, niemanden verletzenden Weise zum freundschaftlichen Abschluss kommen. Nach dem Segen verkünden die Ausscheller die Fasnet. Darauf wird von der Orgelempore vom Musikverein der Narrenmarsch intoniert, in den die Orgel mit einstimmt. Die Gottesdienstbesucher singen mit und verlassen danach mit glänzenden Augen die Kirche. Es ist sehr selten, dass sich Kirche und Weltlichkeit so unbefangen und fröhlich begegnen.

Am Aschermittwoch ist keine Singstunde, weil die Chormitglieder ohnehin heiser sind.

In der Fastenzeit bereitet sich der Chor auf Ostern vor. In der Regel wird am Karfreitag (Passionsgesänge), in der Osternacht  (Antwortgesänge und Chorlieder), im Osterhochamt (lat. Messe, Händel-Halleluja, Lieder für Chor und Gemeinde) und bei der Erstkommunionfeier (Oster- und neue geistliche Lieder) gesungen. Dies stellt die Sängerinnen und Sänger vor umfangreiche Aufgaben. Da sind schnell um die zwanzig Chorstücke in der Mappe.

Die folgende Zeit dient der Vorbereitung auf die Feiertage Christi-Himmelfahrt, Pfingsten und Fronleichnam. An Christi Himmelfahrt singt der Chor in der Messe und bei der Prozession, ebenso an Fronleichnam. Dieser Gottesdienst erfährt immer eine besonders feierliche Gestaltung durch die Mitwirkung des Musikvereins. Dazu kam es, weil vor etwa vierzig Jahren mehrere Musiker des Frohsinns am Tagwacht-spielen wegen vermeintlich schlechtem Wetter nicht teilnahmen, was zu Unstimmigkeiten in der Kapelle führte. Diese Situation klärte der damalige Dirigent Klaus Bauer, indem er bestimmte, dass bei jedem Wetter („ao wenn s Katza haglet") der Musikverein stattdessen das Hochamt mitgestaltet. So zieht der Pfarrer mit seinen Ministranten und den Fahnendelegationen der Vereine (MGV Germania, TGA und Musikverein) unter den festlichen Klängen der Musikkapelle in die Kirche ein. Der Chor singt eine lateinische Messe, die Kapelle spielt zur Gabenbereitung und zur Kommunion. Natürlich kommt dazwischen immer auch die Orgel zum Einsatz, weil mit ihr flexibel auf das Geschehen am Altar reagiert werden kann. Die anschließende Prozession beginnt zum Auszug von Priester und Gemeinde mit brausendem Orgelspiel. Auf der Straße erklingen die Prozessionsmärsche „Zum Kirchenfest" und „Freiburger Münster" von Emil Dörle und der „Festmarsch Nr. 2" (die heimliche Altstädter Nationalhymne) von Carl Merzdorf. Der Chor singt an jedem Altar ein passendes Sakramentslied. Damit die Prozession ein gutes Bild abgibt, müssen sich die Chormitglieder auf eine ungewohnte Situation einstellen: Sie sollten geordnet in Vierer-Reihen, wie der Musikverein, mitgehen, was ihnen  meistens gelingt. Auch hier darf ab und zu geschmunzelt werden. Mit dem gemeinsam gesungenen, von Blaskapelle und Orgel begleiteten Lied „Großer Gott, wir loben dich" endet der Gottesdienst und die Musikkapelle spielt noch einmal strahlend festlich zum Auszug der Gemeinde. Danach haben sich alle Mitwirkenden das Freibier des Pfarrers im Pfluggarten redlich verdient.

Der Kirchenchor bereitet sich nun bis zu den Sommerferien auf das Pelagiusfest vor. Bei diesem Festgottesdienst erklingt jedes Jahr eine Messe für Soli, Chor und Orchester aus der Wiener Klassik.

1989 hat Pfarrer Alfons Miller den Kirchenlieddichter Friedrich Dörr um einen Liedtext zu Ehren des Hl. Pelagius gebeten. Dieses Lied  „Erhöre, St. Pelagius, die Bitten treuer Seelen" (Melodie: Fest soll mein Taufbund immer stehn) wird immer zu Beginn des Fest-gottesdienstes in der gelungenen Bearbeitung von Mathias Krüger für Gemeinde, gemischten Chor, Orgel und Orchester, gesungen. Es ist jedes Mal ein erhebendes Gefühl, wenn der letzte Vers im Tutti mit jubelndem Überchor erklingt. Beim anschließenden Fest in der Turnhalle mit Mittagessen, Kaffee und Kuchen, unterhält der Musikverein, in dem auch sechs Chormitglieder mitspielen, die Gäste (und die Chormitglieder lassen sich für ihren Einsatz beim Gottesdienst loben). Der Festtag endet mit der feierlichen Vesper. Auch hier sind einige Sänger als Schola und der Organist wieder im Einsatz, wie auch an den anderen Hochfesten des Kirchenjahres.

Zum geselligen Teil im Jahreskreis gehört auch ein Ausflug, bei dem die Chormitglieder und ihre Familien in lockerer Gemeinschaft einen gemütlichen Tag in der näheren oder weiteren Umgebung miteinander verbringen.

2019 wurde damit ein Probenwochenende im Kloster Obermarchtal verbunden, wo man sich auf das Jubiläumskonzert am 10. November 2019 vorbereitet hat.

 

Bisher einmalig war der Auftritt des Chores bei der sogenannten öffentlichen Probe des Musikvereins im hinteren Schulhof der Römerschule. Dabei sang der Chor aus dem reichhaltigen Repertoire seiner weltlichen Lieder. Dieses Repertoire wird das ganze Jahr über auch dadurch gepflegt, daß sich jedes Chormitglied zum Geburtstag ein Lied daraus wünschen darf, das dann am Ende der Singstunde gesungen wird.

An Allerheiligen singt der Chor eine Messe oder passende Liedsätze und an Allerseelen die „Missa pro defunctis" (Requiem) von Johann Stadlmayr.

Dann kommt die Cäcilienfeier zum Gedenktag der Hl. Cäcilia am 22. November. Der Abend beginnt mit der Gestaltung der Abendmesse und dem Gedenken an verstorbene Chormitglieder. Nach der Ansprache werden langjährige Aktive geehrt. Im Fünfjahresrhythmus wird jedem Mitglied eine Anerkennung in Form eines kleinen Geschenks ausgesprochen.

Von 38 Chormitgliedern sind 23 schon länger als 20 Jahre dabei, wo-bei Ursula Spreter mit 62 aktiven Jahren die Spitzenreiterin ist, gefolgt vom Ehepaar Brunhilde und Klaus Bauer mit je 58 Jahren. Im Kir-chenchor kann man also gut älter werden, weil das Singen und die Kameradschaft das Lebensgefühl positiv stärken. An den Gottesdienst schließt sich ein gemütliches Beisammensein im Gemeindehaus an. Nach dem Essen werden die besonders fleißigen Singstundenbesucher mit einer kleinen Aufmerksamkeit belohnt. Auch die Dankesworte an verdiente Mitglieder werden  nun gesprochen. Jedes zu ehrende Mitglied darf sich ein Lied wünschen, das dann im geselligen Teil gesungen wird. Aus dem Chor kommt noch der ein oder andere heitere Beitrag, so dass der Abend lustig ausklingen kann.

Schon eine Woche später wirkt der Chor bei der seit einigen Jahren stattfindenden ökumenischen Vesper zum Advent mit. Dann kommt Weihnachten mit der Christmette, wo der Chor und eine Bläsergruppe des Musikvereins zusammen mit der Orgel musizieren. Im Weihnachtshochamt werden eine lateinische Weihnachtsmesse (z. B. Christkindlmesse von Max Reimann, Messe de Minuit de Noel von Marc-Antoine Charpentier) und Weihnachtslieder, öfters im Wechsel mit der Gemeinde und mit Überchören, gesungen. Somit schließt sich der Kreis, wenn in der ersten Woche nach Neujahr wieder die Singstunde mit dem Brötlefest stattfindet.

Weil es manchml nicht möglich ist, dass jedes Chormitglied alle Termine im Jahreslauf wahrnehmen kann, ist es sehr notwendig, dass jede Stimme gut besetzt ist. Wichtig ist das kameradschaftliche Zusammenwirken und das persönliche Verantwortungsbewusstsein aller Chormitglieder.

Der Chor hatte nie eine Vereinsstruktur, sondern beschloss immer im direkten Gespräch seine Unternehmungen. Diese Gespräche finden oft nach der Singstunde im Wirtshaus statt und das Ergebnis wird in der nächsten Singstunde dem ganzen Chor zur Stellungnahme und Abstimmung vorgetragen. Der amtierende Pfarrer ist das geistliche Oberhaupt und aus dem Chor kommt ein Sprecher. Für die Kassenführung wird ein Chormitglied bestimmt. Natürlich kommt es bei dieser Organisationsform viel auf den Einsatz einzelner Chormitglieder an. Aber bei einer guten Grundstimmung in der Gruppe wird alles Notwendige mit Freude erledigt.

 

Alle Altstädter/innen sollten sich darüber im Klaren sein, dass eine gesunde Vereinsstruktur die Lebensqualität im Stadtteil fördert. Was wäre die Altstadt ohne Musik-, Gesang- und Turnverein, ohne Feuerwehr, Narrenzunft, Frauenbund und neuerdings auch Bürgerverein, besonders auch ohne Pfarrgemeinde mit dem Kirchenchor? Diese Vielfalt aufrecht zu erhalten und zu fördern, muss uns allen besonders am Herzen liegen. Dann bleibt die Altstadt was sie schon seit vielen Jahren ist:

Das l(i)ebenswerteste Fleckchen Erde auf der ganzen Welt!