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Wann begann in Rottweil die Christianisierung?

 

Kirchengeschichtliche Betrachtung von Ludwig Ragg aus dem Jahre 1982.
Ludwig Ragg stellte in seinen Betrachtungen fest, dass man über die Christianisierung unseres Gebiets aufgrund der Grabbeigaben in den alemannischen Gräbern Aussagen machen konnte.
„In der Altstadt sind noch keine christlichen Symbole in Alemannengräbern beigelegt gewesen, vielmehr nur Waffen und Schmuck. Folglich huldigte die hiesige Bevölkerung noch lange dem Heidentum. Allerdings ist hier noch kein größeres Gräberfeld erforscht worden.
An Württemberg sind 780 gesicherte Schenkungen durch das Kloster St. Gallen zu verzeichnen. Daraus können wir schließen, dass das Christentum in unserer Gegend Fuß gefasst hat. Klosterbesitz von St. Gallen waren nachzuweisen: 763 in Weigheim, 768 in Digisheim, 770 in Egesheim, 779 in Flözlingen, 786 in Dietingen, und Dürbheim, 793 in Tübingen und Wehingen sowie 802 in Deisslingen. St. Galluskirchen finden sich noch in: Derendingen, Frommern, Aistaig, Mühlheim a.d.Donau und Schörzingen.
So mag auch im 8. Jhd. in der Altstadt das erste Holzkirchlein entstanden sein, aber einem anderen Kirchenpatron geweiht.
Das Eigenkirchenwesen war Anreiz zur Gründung zahlreicher Kirchen, aber gleichzeitig auch größtes Hindernis für eine zentrale Leitung und Verwaltung des Bischofs.
Pelagius kam von Konstanz zu uns. Die Erbauung der alten Pelagiuskirche fällt in die 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts. Auch die Verehrung des Heiligen ist aus der um 1680 erneuerten Urkunde von 1412 für die Zeit um 1100 gegeben.
Dass die Pelagiusgemeinde eine große Bedeutung hatte ist an der Größe des Pfarrsprengels von 1441 zu sehen. Der Sprengel umfasste damals die Gemeinden:
Neufra, Frittlingen, Wellendingen, Wilflingen, Stungen, Katzensteig, Feckenhausen, Jungbrunnen, Göllsdorf.
Auf einer Karte des Dekanats Rottweil, zwischen 1730 - 1760, sind die Gemeinden Fischbach, Schabenhausen, Neuhausen, Niedereschach, Obereschach, Kappel, Weilersbach, Dauchingen, Deisslingen, Lauffen, Bühlingen und Neufra genannt.
Bis zum Jahre 1275 waren folgende Orte vom Pfarrsprengel Altstadt abgesplittert:
Deisslingen, Dauchingen, Weilersbach, Kappel, Schabenhausen, Neuhausen, Leidringen Neukirch, Sonthof, Dietingen, Neckarburg, Vaihingerhof."

Prof. Dr. Rudolf Reinhardt, Tübingen, äußerte sich am 04. Sept. 1983 bei seinem Vortrag in der Pelagiuskirche zur Bedeutung des Patrons St. Pelagius.
„Um das neue und unerhörte, ja revolutionäre der Wahl des Patrons für Rottweil-Altstadt noch deutlicher werden zu lassen sei auf eine weitere Kirche verwiesen, die um die gleiche Zeit ebenfalls dem heiligen Pelagius geweiht wurde. Es war die Kirche von Bischofszell im Thurgau. Diese Stadt war eine Cella des Bischofs, eine Ansiedlung, die dem Bischof von Konstanz gehörte. Deshalb war es angebracht und im herkömmlichen Sinn auch nahe liegend, die Kirche dieses Ortes den Patron der Bischofskirche zu weihen und zu übergeben.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Übernahme des Pelagius-Patroziniums in Rottweil-Altstadt ein Zeichen war, ein Zeichen der Einheit des Bistums, wie sie damals neu erfahren und empfunden wurde.
(......) Ich komme zum Schluss. Wir haben gesehen, dass die Pfarrei Rottweil-Altstadt ihre große Zeit gehabt hat, und zwar im frühen Mittelalter, in den ersten Jahrhunderten ihres Bestehens. Auf drei Indizien war zu verweisen: Einmal auf den großen Pfarrsprengel, zum anderen auf eine kunstgeschichtlich bedeutende Kirche zum Dritten auf die Wahl des Patroziniums um 1080."

Heute umfasst die Pelagiusgemeinde die Seelsorgeeinheit 5 mit der Filialgemeinde St. Silvester Bühlingen, St. Dionysius, Neufra, St. Franz-Xaver, Göllsdorf, St. Michael, Feckenhausen, St. Nikolaus, Zepfenhan, St. Ulrich, Wellendingen und St. Gallus, Wilflingen.
Immer am ersten September-Sonntag, dieses Jahr am 03. September, wird in der Pelagius Basilika das Patrozinium und anschließend das Pelagiusfest in der Turn- und Festhalle bei der Römerschule gefeiert. (Darüber berichten wir noch).

                                                                         Helmut Spreter

 

Bildbeschreibung: Foto: Archiv St. Pelagius

Außenansicht der Pelagiuskirche vor dem Umbau 1898/99,
Architekt Josef Cades.