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UMKEHRGOTTESDIENST im Advent 2020

 

 

Glaube, Liebe, Hoffnung als Anti-Corona-Stress-Programm

Einführung in den Gottesdienst

Vor Weihnachten und Ostern halten wir gewöhnlich einen Bußgottesdienst. So auch heute. Für Buße steht in der Bibel das Wort metanoia. Luther übersetzt für gewöhnlich mit Buße, die katholische Bibel mit Umkehr. Gemeint ist ein neuer Sinn, ein neues Denken. Die Ausrichtung auf Gott und sein Reich.

In diesem Sinn wollen wir diesen Bußgottesdienst halten. Welche Ausrichtung auf Gott brauchen wir in dieser Corona-Zeit? Welcher neue Sinn, welches neue Denken ist nötig?

Zu Beginn dieses Gottesdienstes richten wir unseren Blick auf das Kreuz, auf Jesus Christus. Er ist die Orientierung unseres christlichen Lebens. Zu ihm rufen wir voll Vertrauen:

Herr, erbarme dich unser.

Christus, erbarme dich unser.

Herr erbarme dich unser.

Lasset uns beten:

Allmächtiger Gott,

gieße deine Gnade in unsere Herzen ein.

Durch die Botschaft des Engels

haben wir die Menschwerdung Christi,

deines Sohnes erkannt.

Führe uns durch sein Leiden und Kreuz

zur Herrlichkeit der Auferstehung.

Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

 

Ansprache und Besinnung

In diesen Wochen vor Weihnachten, in diesen Monaten der Corona-Seuche nehmen bei vielen, bei den allermeisten, die Sorgen zu. Die einen merken es mehr. Sie leiden mehr darunter. Die anderen lassen es vielleicht nicht so sehr an sich heran, verdrängen es auch. Wir machen uns Sorgen um unsere Angehörigen, aber auch Sorgen um unsere eigene Gesundheit. Dazu kommen womöglich finanzielle und berufliche Sorgen. Dazu auch die bange Frage: Wie soll es weitergehen mit der Gesellschaft, mit der Kirche, mit den Gruppen, Vereinen usw.?

Diese Sorgen und die damit verbundene allgemeine Stimmung machen Stress. Dabei erleben wir eine gewisse Ambivalenz. Denn einerseits geht es den meisten von uns ganz gut. Wir sitzen im Trockenen, wir haben zu essen und zu trinken. „Es ist doch nicht so schlimm“; „wenigstens kein Krieg“. Und andererseits kennen wir auch die lähmenden Phasen. Lustlosigkeit. Überdruss. „Es ist genug.“ „Ich mag nicht mehr“. Und so schwimmen wir mal mit dem Kopf über Wasser und manchmal tauchen wir unter. Das macht Stress.

Wie gesagt: Unser Bußgottesdienst soll heute mehr ein Umkehr-Gottesdienst sein. Ein neuer Sinn, ein neues Denken, die Ausrichtung auf Gott. Und dabei denke ich an die heilige Hildegard von Bingen. Viele halten viel von der Hildegard-Medizin. Ich denke immer wieder an ihre Tugend- und Lasterlehre. Die Tugenden sind für die heilige Hildegard Lebenskräfte. Und ihre „Psychotherapie“ ist ein Weg der Lebenskräfte. Und ich glaube, dieser Weg der Lebenskräfte könnte auch für uns ein wenig Anti-Stress-Programm und zugleich unsere Umkehr sein.

Bei Hildegard sind es 35 Tugenden. So viel Zeit haben wir jetzt nicht. Begnügen wir uns mit den drei göttlichen Tugenden: Glaube, Liebe, Hoffnung.

Beginnen wir mit der Lebenskraft Glaube. In der ersten Lebenshälfte beschäftigen wir uns damit, was wir glauben. Gott, der Schöpfer. Der Tod Jesu am Kreuz und seine Auferstehung. Der Heilige Geist und die Kirche usw. Irgendwann kommt der Punkt, an dem wir merken, dass Glaube vor allem Vertrauen ist. „Herr, auf dich vertraue ich. In deine Hände lege ich mein Leben“.

Fragen wir uns: Woran halte ich mich fest? Wem kann ich vertrauen? Worauf vertraue ich? Wie kann ich mich festmachen in Gott? Was hilft mir gerade in dieser Zeit?

Und damit verbunden die Frage nach unserem Gebet: Hilft mir mein Gebet, mich festzumachen in Gott? Kann ich ruhig werden und still im Gebet, in der Betrachtung, im Verweilen vor Gott? Welche Gebets-Methode hilft mir dabei?

*** Orgelspiel

Die zweite Lebenskraft ist die Liebe. Für manche ist Liebe ein Gefühl. Romantik, Verliebt-Sein usw. Eine solche Liebe kann auch egoistisch sein, selbstbezogen. Die Bibel versteht unter Liebe vor allem ein soziales Miteinander und Hingabe. In der Familie, in der Nachbarschaft, in der Gemeinde. Im Vordergrund steht da die Frage: Was kann ich für andere tun? Und Psychologen sagen uns heute: Das macht glücklich! Wie können wir uns – gerade in dieser Zeit – miteinander austauschen? Den Erfindern des Telefons sei Dank! Wie können wir miteinander reden und unsere Sorgen teilen? Wir merken, wie wichtig es ist, in gute Beziehungen zu pflegen.

In der Bibel und im Leben gibt es ein kleines Wort, das man vielseitig einsetzen kann: „einander“. Einander trösten. Einander lieben. Einander ermutigen. Einander zurechtweisen (zurechtrücken), einander aufbauen.

Verbunden damit ist auch die Frage: Was bedarf der Versöhnung? In Krisenzeiten merken wir besonders, dass wir einander brauchen. Uns werden vielleicht auch manche Auseinandersetzungen und Zerwürfnisse bewusst, die uns voneinander trennen. Manche erleben vielleicht auch, dass sie mit sich selbst und ihrer Lebensgeschichte nicht versöhnt sind. Nicht alles ist in Erfüllung gegangen. Manches wurde versäumt oder geopfert. Auch da tut eine Versöhnung in der Tiefe meines Herzens gut.

*** Orgelspiel

Die dritte Lebenskraft kann die Hoffnung sein. Wir wissen, wer optimistisch in die Zukunft schaut, lebt länger. Pessimismus ist der beste Weg, sein Leben zu verkürzen. Was erwarte ich vom Leben? Was erwarte ich von Gott? Worauf warte ich? Die Bibel malt uns verschiedene Bilder der Hoffnung. Vom Auszug aus Ägypten und der Befreiung von der Knechtschaft Pharaos, über die Rückkehr aus dem Exil mit einem neuen Anfang bis zur Auferstehung Jesu, seiner Wiederkunft und dem neuen Jerusalem. Betrachte ich solche Bilder der Hoffnung? Nehme ich die Lebenskraft Hoffnung bewusst in mich auf? In Gedanken, Gefühlen und Handlungen?

Damit verbinden kann ich gerade in dieser Zeit eine weitere Lebenskraft: Durchhalten. Standhalten. Die frühen Christen mussten das. Sie haben verschiedene Bedrängnisse erlebt. Sie hätten ihren Glauben verloren, wenn sie nicht standgehalten und durchgehalten hätten. Sind wir da in den letzten Jahrzehnten vielleicht ein wenig verwöhnt worden? Alles gibt es für uns gleich und sofort. Jetzt müssen wir warten. Standhalten. Durchhalten. Wochenlang. Monatelang.

*** Orgelspiel

Für die heilige Hildegard sind die Tugendkräfte ein Weg. In unserem Umkehr-Gottesdienst halten wir inne, um zu schauen, wo wir uns auf diesem Weg zu Gott und zum Leben befinden. Unsere Schwachheit, unsere Irrwege, unsere Versäumnisse vertrauen wir der Barmherzigkeit Gottes an.

Wir sprechen das Schuldbekenntnis: Ich bekenne Gott …

Nachlass, Vergebung und Verzeihung unserer Sünden gewähre uns der allmächtige und barmherzige Herr. Amen.

 

Gedanken zum Schluss

Umkehren bedeutet, sich auf Gott hin ausrichten. Unser Denken und unser Sinn soll eine neue Ausrichtung bekommen. Orientierung nennen wir das auch.

Gerade eine Krisenzeit, in der sich viele Sorgen machen, kann zur Stressprobe werden. Der Glaube ist, auch aus psychologischer Sicht, eine Schutzkraft, ein Resilienz-Faktor.

Wahrscheinlich braucht gerade jeder ein Anti-Corona-Stress-Programm. Glaube, Liebe und Hoffnung sind wichtige Lebenskräfte in unserem Anti-Corona-Stress-Programm.

Vergessen wir dabei aber auch ein paar einfache Hilfen nicht: Fasten, Dankbarkeit, Luft, Licht & Bewegung.

Zum Fasten zähle ich jetzt nicht die Enthaltsamkeit beim Essen. Dunkle Schokolade ist gut in dieser Zeit! Beim Alkohol sollte man aufpassen, dass es nicht mehr ist als vor Corona. Ich denke aber mehr an das Medien-Fasten. Einmal Tagesschau oder heute-Nachrichten reicht. Wer jede Extra-Sendung zu Corona, Politik, Gesundheit und Wirtschaft anschaut, wird irgendwann vollkommen gestresst und deprimiert.

Eine andere Hilfe: Wenigstens einmal am Tag, am Abend, vielleicht auch zwischendurch, den Tag „auswerten“. Einen Tagesrückblick machen. Vor allem: Gott danken für die Wohltaten (hl. Ignatius von Loyola). Das Gute und das Schöne aufgreifen und vor Gott bringen.

Und schließlich: Luft, Licht & Bewegung. Eine Stunde raus an die frische Luft, sich bewegen, das Sonnenlicht spüren, wenn es sich nicht gerade hinter den Wolken versteckt. Das tut gut!

Und wer auf Pfarrer Sebastian Kneipp vertraut, versucht es auch mit den Wasseranwendungen und – nach Befragung von Arzt oder Apotheker – mit Heilkräutern wie Johanniskraut.

Und zum Schluss noch ganz wichtige Pillen. 60 in einer Packung. Auch Papst Franziskus empfiehlt diese Pillen des Medikaments „Rosarium“. 60 Perlen Rosenkranz. Damit kann man die Gedanken wunderbar unterbrechen und mit Maria beim lieben Gott ausruhen! Und Sie müssen nicht einmal Ihren Arzt oder Apotheker fragen